Definition: Streßinkontinenz


Eine Schwächung des Schließmuskelsystems am Blasenauslass, etwa durch Geburt, Operation oder äußere Verletzungen, oder aber degenerativ, durch zunehmende Gewebeschwäche im Alter, führt zur "passiven Harninkontinenz", bei der durch Husten, Lachen, Niesen oder Pressen passiv der Druck in der Blase den erniedrigten Verschlussdruck des Schließmuskels übersteigt, so dass es zum unwillkürlichen Harnabgang kommt (Grafik Blase 1). Es handelt sich dabei nicht um einen psychischen, sondern um einen physischen Stress, charakterisiert durch eine abrupte Erhöhung des Druckes im Bauchraum, der bei defektem Schließmuskel zum unfreiwilligen Harnabgang führt.
Durch ein gezieltes Beckenbodentraining, unterstützt durch Elektrostimulation und Biofeedback, lassen sich bei entsprechender Mitarbeit seitens der Betroffenen erstaunliche Erfolge erzielen. Die initial eingesetzte Elektrostimulation des Beckenbodens dient jenen Betroffenen, die ihren Beckenboden nicht mehr willkürlich innervieren können, dazu, diese Eigenschaften als Voraussetzung für ein erfolgreiches Trainingsprogramm wieder zu erlernen. Durch alpha-adrenerge Medikamente kann man zusätzlich den glattmuskulären Anteil des Blasenschließmuskels kräftigen sowie durch Östrogen-Substitution die ebenfalls zur Kontinenz beitragende Schleimhautkomponente verbessern.
Ist jedoch die Stressinkontinenz durch ausgeprägte Lageveränderungen der Blase, durch eine schlaffe Schließmuskellähmung oder durch eine erhebliche Verletzung des Schließmuskels, z. B. durch eine Prostataoperation, bedingt, so ist die Operation die Methode der Wahl: Bei Frauen muss die normale Anatomie des Beckenbodens bzw. der Blase wiederhergestellt werden, bei schlaffer Beckenbodenlähmung oder schwerer Sphinkterverletzung ist die Implantation des hydraulischen Schließmuskels nach Scott einzige Behandlungsmöglichkeit.
Von der "passiven" Harninkontinenz müssen Formen der "aktiven" Harninkontinenz, die durch eine Fehlfunktion des Blasenmuskels verursacht sind, unterschieden werden. Dazu zählen die Drang-, die Reflex- und die Überlaufinkontinenz.

Quelle: Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. GIH


Harnabgänge ohne vermehrten Harndrang bei körperlicher Belastung wie Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen und schwerem Heben. Die Blasenmuskelaktivität ist normal. Es besteht meist eine Beckenbodenschwäche aufgrund morphologischer Veränderungen, so dass die Drucktransmission auf die Harnröhre und deren Verschlussmechanismus aufgrund der Senkung und der morphologischen Veränderungen nicht mehr effizient genug sind.

Quelle: Hilfsmittelkatalog nach der ICS,
International Continence Society


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