Definition: muskulären Stuhlinkontinenz


Bei der muskulären Stuhlinkontinenz ist der Schließmuskelapparat geschädigt, die sensible Wahrnehmung durch die Analkanal-Schleimhaut ist dabei intakt. Häufigste Ursache für eine Schädigung des Schließmuskelapparates ist die vaginale Geburt mit Dammriss. Insbesondere bei Kindern sind auch Pfählungsverletzungen (Übersteigen von spitzen Zäunen) häufig.
Des Weiteren können sich komplexe Schädigungen durch eine unzureichende Funktionsfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur bei der sog. Beckenbodeninsuffizienz ergeben. Häufig ist hier die Kombination mit einem Rektumprolaps, vor allem bei älteren Frauen. Aber auch Fisteln und Fisteloperationen, speziell bei den hochreichenden ischio-rectalen Fisteln, können eine teilweise oder vollständige Zerstörung des Ringmuskels zur Folge haben. Eine narbige Ausheilung des Defektes führt zwar nicht zum vollständigen Verlust der Sphinkterkraft, jedoch ist durch die Erweiterung des Ringmuskels die Kraft herabgesetzt. Im höheren Lebensalter kann dann bei Nachlassen der Gewebeelastizität eine Stuhlinkontinenz evident werden.


Die Kombination von sensorischer und muskulärer Stuhlinkontinenz lässt sich am besten am Beispiel des Rektumprolaps erläutern. Ein Hindurchgleiten der Rektumwand durch den muskulären Sphinkter bedingt zum einen den Verlust der Wahrnehmungssensibilität, zum anderen dehnt der hindurchtretende Darmanteil den Schließmuskel dauerhaft auf, so dass seine Kraft geschwächt wird.
 

Quelle: PD Dr. Michael Probst
Chirurgische Klinik, Klinikum Lippe-Lemgo GmbH, Lemgo
Stuhlinkontinenz - Ursachen, Diagnostik und Therapie