Definition: sensorische Stuhlinkontinenz


Eine sensorische Stuhlinkontinenz liegt vor, wenn die sensible Wahrnehmung der Schleimhaut des Analkanals gestört ist. Dies kann beispielsweise der Fall sein bei neurologischen Erkrankungen wie Bewusstlosigkeit oder Schlaganfall, aber auch, wenn die Schleimhaut des Analkanals z. B. bei einem Anal- oder Rektumprolaps nach außen gestülpt ist und damit an Wahrnehmungssensibilität einbüßt. Ist bei einer Analatresie (angeborenes Fehlen der Afteröffnung) der Analkanal nicht angelegt oder kam es durch Korrekturoperationen im Durchzugsverfahren zum partiellen oder vollständigen Verlust der Analschleimhaut, fehlt hier ebenfalls die sensible Wahrnehmung, so dass sich wiederum das klinische Bild einer sensorischen Stuhlinkontinenz ergibt.


Die Kombination von sensorischer und muskulärer Stuhlinkontinenz lässt sich am besten am Beispiel des Rektumprolaps erläutern. Ein Hindurchgleiten der Rektumwand durch den muskulären Sphinkter bedingt zum einen den Verlust der Wahrnehmungssensibilität, zum anderen dehnt der hindurchtretende Darmanteil den Schließmuskel dauerhaft auf, so dass seine Kraft geschwächt wird.
 
Quelle: PD Dr. Michael Probst
Chirurgische Klinik, Klinikum Lippe-Lemgo GmbH, Lemgo
Stuhlinkontinenz - Ursachen, Diagnostik und Therapie